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Posts mit dem Label "Gainsborough Pictures" werden angezeigt.

Hitchcock #021: Young and Innocent (1937), oder: Kranfahrt ins Auge

In Young and Innocent lacht der Schurke am Ende ein echtes, theatralisches Schurkenlachen, nachdem Erica (rechts) ihn gerade von der schwarzen Theaterschminke seiner Minstrel-Show befreit hat Ich schrieb ja schon eingangs , dass dieser Blog aus der Idee eines Hochschulseminars entstanden ist, dass ich im Sommersemester 2022 unterrichtet habe (und das ich ähnlicher Form bereits 2016 unterrichtet hatte). Für einen Seminarplan muss man eine Auswahl treffen. Und die fällt schwer, wenn man möglichst viele Filme zeigen möchte, man aber nur 15 Wochen hat (und zudem das Seminar noch ein oder zwei theorielastige Sitzungen hat sowie das Erbe Hitchcocks in den Blick nehmen möchte). Warum also bei dieser eingegrenzten Auswahl ausgerechnet einen Film wie Young and Innocent aufnehmen? Die idiosynkratische Antwort: Weil ich ihn sehr mag. Die akademischere Antwort: Weil es ein zweifellos ordentlicher Film ist, der aber, anders als The 39 Steps oder The Lady Vanishes , ganz klar kein Meisterwerk ist...

Hitchcock #020: Sabotage (1936), oder: Bombe, Bus, und Brotmesser

Oskar Homolka als der titelgebende Saboteur. Hier kurz vor seiner Ermordung Sabotage ist The Secret Agent. Unnötig verwirrend, ja, ich weiß. Aber dieser Film, Sabotage , basiert auf dem Roman von Joseph Conrad mit dem Titel The Secret Agent  von 1907 (und ich erwähnte bereits im vorigen Beitrag, dass ich mich in Forschung und Lehre intensiv mit Conrads Roman auseinandergesetzt habe, in Aufsätzen z.B. hier und in meiner Dissertationsschrift ). Da Hitchcock aber eben erst die Kurzgeschichtensammlung von W. Somerset Maugham (Titel: Ashenden ) verfilmt hat als Secret Agent, konnte er bei der Verfilmung von Joseph Conrads The Secret Agent nicht mehr auf denselben Titel zurückgreifen und nennt den Film daher Sabotage .  Ironische Sabotage und Voyeurismus Als wolle Hitch uns beweisen, dass die Namensänderung nicht aus Verlegenheit erfolgt war, sondern mit voller Absicht, beginnt der Film mit einem Wörterbucheintrag, der die Zuschauer*innen darüber aufklärt, dass es sich bei...

Hitchcock #017: The Man Who Knew Too Much (1934), oder: Hitch findet sein Metier

Kein Thriller ohne Schurken: Der großartige Peter Lorre in Hitchocks  The Man Who Knew Too Much Der Filmproduzent Michael Balcon soll über Hitchcock gesagt haben, dass er zwar schon früh seine  eigene Film- und Bildsprache, aber erst spät sein Metier gefunden habe ("he had not then found his particular métier," zitiert in Spoto n.pag.). Darin ist natürlich eine Prise Eigenwerbung, da Balcon die Person ist, zu der Hitchcock nach seinen fünf eher durchschnittlichen Jahren bei BIP zurückkehrte, um die Filme zu machen, die wir heute wie selbstverständlich als Hitchcocks Metier identifizieren: Thriller.  Daher ist es angebracht, an dieser Stelle über den Thriller zu sprechen , bevor es um den ersten Hitchcock-Film geht, der diese Genre-Bezeichnung wirklich verdient: The Man Who Knew Too Much von 1934. Im umfangreichen Handbuch Filmgenre (Hrsg. Marcus Stiglegger ), nähert sich Wieland Schwanebeck einer Definition des vielgesichtigen Thriller-Genres über dessen Nähe zur (l...

Hitchcocks Stummfilme: Ein Zwischenfazit

Hitchcock am Set seines Stummfilms The Mountain Eagle : Energisch aber suchend "Rescue the Hitchcock 9" war das Projekt des British Film Institute (BFI). Dabei wird die Stummfilm-Version von Blackmail mitgezählt (was ich nicht tue, da seine Tonfassung so überzeugend mit Klang und Sprache arbeitet). Es sind in meiner Zählung also nur 8 existierende Stummfilme ( der Mountain Eagle ist ja fortgeflogen ). Zusammen bringen es diese acht Filme auf insgesamt 30 Messer in meiner 1-10-Messer-Skala, der Mittelwert also gerade einmal 3,75 Messer pro Film, der Median 3,5 und Modus  bzw. Modalwert 2 Messer. The Ring : 1 Messer Pleasure Garden : 2 Messer The Farmer's Wife : 2 Messer Downhill : 3 Messer Champagne : 4 Messer Easy Virtue : 5 Messer The Manxman : 6 Messer The Lodger : 8 Messer Man merkt schnell, dass wir es hier nicht mit einer Glanzleistung des Stummfilmkinos zu tun haben. Hitchcocks Ruhm als Stummfilmregisseur speist sich fast ausschließlich aus dem unglaublich gute...