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Hitchcock #022: The Lady Vanishes (1938), oder: Züge, Zocker, Zauberflöten

Iris zieht die Notbremse, als ihr das Gaslighting zu viel wird Der perfekte Film . The Lady Vanishes ist in vieler Hinsicht ein formal perfekter Film . Insbesondere sein Tempo (sein pacing , wie man sagt) wird von der Kritik stets als besonders gelungen hervorgehoben (exemplarisch hierfür: Adair 60 ; Callahan 86 ; Fuller 38 ). Zahlreiche Kritiker*innen bezeichnen diesen Film als einen ihrer absoluten Lieblingsfilme (etwa Philip French im Guardian ) und Meta-Kritiken wie Rotten Tomatoes geben ihm beachtliche 98/100 Punkte. Auch in den heutigen Publikumswertungen erhält er Bestnoten.  Dabei ist er nicht experimentell, sondern in seiner Struktur sehr klassisch .  The Lady Vanishes besteht aus einer herkömmlichen Drei-Akt-Struktur: Exposition im Gasthof, Hauptteil im Zug, Finale mit Schießerei zwischen Zug-Fahrenden und Gangstern. Im ersten Teil wird die Dame aus dem Filmtitel eingeführt, im zweiten verschwindet sie und im dritten (Spoiler!) taucht sie wieder auf. Eigentlich g...

Hitchcock #021: Young and Innocent (1937), oder: Kranfahrt ins Auge

In Young and Innocent lacht der Schurke am Ende ein echtes, theatralisches Schurkenlachen, nachdem Erica (rechts) ihn gerade von der schwarzen Theaterschminke seiner Minstrel-Show befreit hat Ich schrieb ja schon eingangs , dass dieser Blog aus der Idee eines Hochschulseminars entstanden ist, dass ich im Sommersemester 2022 unterrichtet habe (und das ich ähnlicher Form bereits 2016 unterrichtet hatte). Für einen Seminarplan muss man eine Auswahl treffen. Und die fällt schwer, wenn man möglichst viele Filme zeigen möchte, man aber nur 15 Wochen hat (und zudem das Seminar noch ein oder zwei theorielastige Sitzungen hat sowie das Erbe Hitchcocks in den Blick nehmen möchte). Warum also bei dieser eingegrenzten Auswahl ausgerechnet einen Film wie Young and Innocent aufnehmen? Die idiosynkratische Antwort: Weil ich ihn sehr mag. Die akademischere Antwort: Weil es ein zweifellos ordentlicher Film ist, der aber, anders als The 39 Steps oder The Lady Vanishes , ganz klar kein Meisterwerk ist...

Hitchcock #018: The 39 Steps (1935), oder: Fesselspiele

Der Schurke dieses Films ist an dem fehlenden kleinen Finger zu erkennen. Im Roman The Catcher in the Rye  (1951) von J. D. Salinger kann Phoebe, die kleine Schwester von Protagonist Holden Caulfield,  Hitchcocks The 39 Steps mitsprechen und ist jedes Mal voller Vorfreude, wenn der Schurke sich durch das fehlende Glied an seinem kleinen Finger zu erkennen gibt. Ich gestehe, dass ich wie Phoebe bin: Ich schaue diesen Film ebenfalls immer wieder mit großer Freude alle 2-3 Jahre an und kann weite Strecken davon mitsprechen.  Der Film basiert auf dem gleichnamigen Roman von John Buchan (1875-1940). Der Held des Romans, Richard Hannay, ist auch die Hauptfigur in vier weiteren Buchan-Romanen. Ursprünglich wollte Hitch den zweiten Hannay-Roman, Greenmantle , verfilmen (Truffaut 84). In diesem reist Hannay im Ersten Weltkrieg durch Europa, trifft sogar auf Kaiser Wilhelm II. Aber das war dann doch zu teuer für den Film und so entschied man sich, The 39 Steps zu drehen...