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Hitchcock #023: Jamaica Inn (1939), oder: Charles Laughton, der alte Pirat

Wie ein römischer Kaiser wird Sir Humphrey von Charles Laughton gespielt. Und wie ein römischer Kaiser hat sich Laughton, Hitchcock zufolge, auch beim Dreh benommen... "Während ich The Lady Vanishes drehte, bekam ich ein Telegramm von Selznick , der mir anbot, nach Hollywood zu kommen und einen Film zu drehen über den Untergang der Titanic. [...] Da aber mein Kontrakt mit Selznick erst im April 1939 anfing, hatte ich noch die Möglichkeit, einen letzten englischen Film zu drehen, Jamaica Inn " (Truffaut 110). Jamaica Inn ist ein ungewöhnlicher Hitchcock-Film. Nicht nur, weil er nach den sechs Thrillern (von 1934-38) plötzlich ein Historienfilm ist; nicht nur, weil er der letzte britische Film Hitchcocks für viele Jahrzehnte sein würde; sondern auch, weil er Spuren einer Auseinandersetzung mit Hauptdarsteller und Ko-Produzent Charles Laughton trägt . "Hitchcock could not function with dominant stars like Laughton," urteilt Dan Callahan (2020: 93) und liegt damit ri...

Hitchcock #020: Sabotage (1936), oder: Bombe, Bus, und Brotmesser

Oskar Homolka als der titelgebende Saboteur. Hier kurz vor seiner Ermordung Sabotage ist The Secret Agent. Unnötig verwirrend, ja, ich weiß. Aber dieser Film, Sabotage , basiert auf dem Roman von Joseph Conrad mit dem Titel The Secret Agent  von 1907 (und ich erwähnte bereits im vorigen Beitrag, dass ich mich in Forschung und Lehre intensiv mit Conrads Roman auseinandergesetzt habe, in Aufsätzen z.B. hier und in meiner Dissertationsschrift ). Da Hitchcock aber eben erst die Kurzgeschichtensammlung von W. Somerset Maugham (Titel: Ashenden ) verfilmt hat als Secret Agent, konnte er bei der Verfilmung von Joseph Conrads The Secret Agent nicht mehr auf denselben Titel zurückgreifen und nennt den Film daher Sabotage .  Ironische Sabotage und Voyeurismus Als wolle Hitch uns beweisen, dass die Namensänderung nicht aus Verlegenheit erfolgt war, sondern mit voller Absicht, beginnt der Film mit einem Wörterbucheintrag, der die Zuschauer*innen darüber aufklärt, dass es sich bei...

Hitchcock #010: Blackmail (1929), oder: Psycho avant la lettre

Alice (Anny Ondra) wird vom Clown-Gemälde verhöhnt Tonfilm und Stummfilm. Hitchcocks Blackmail wird vorwiegend in diesem Spannungsfeld diskutiert, da er beides ist. Als Stummfilm begonnen, entschied sich das Studio während der Dreharbeiten, einige Szenen als talkie nachzudrehen. Das hatte Hitchcock nach Selbstauskunft schon vorbereitet, so dass es ihm ein Leichtes war, zu liefern: Den ersten britischen Ton-Spielfilm. Die tragische Fußnote: Der Beginn des Tonfilms bedeutete das Ende der internationalen Kollaborationen . Schauspieler*innen kamen in der Stummfilmzeit aus unterschiedlichen Ländern: Aus Dänemark ( Carl Brisson ), aus Deutschland ( Bernhard Goetzke ,  Ferdinand Martini ), Frankreich ( Jean Bradin ), den USA ( Virginia Valli , Carmelita Geraghty ) oder Tschechien ( Anny Ondra ). Wie gut sie Englisch (bzw. britisches Englisch) sprachen war im Stummfilm natürlich unerheblich, da sie nicht zu hören waren. Man konnte ihnen also die Englishness abnehmen. Mit dem Tonfilm erf...