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Hitchcock #019: Secret Agent (1936), oder: Der MI6 ist besser als Tinder

Die Titelkarte des Films zeigt den Titel nur in Anführungsstrichen, denn so ein richtiger Geheimagent im klassischen Stil ist Hauptfigur Ashenden nicht... Hitchcocks Secret Agent  schaut man am besten Rücken an Rücken mit dem Nachfolgefilm, Sabotage . Beide Filme erhalten hier eigene Einträge, aber ich werde bei der Besprechung des einen immer wieder auf den anderen verweisen und vice versa.  Der Titel dieses Films ist sehr verwirrend. Der "Secret Agent" des Titels ist eigentlich Schriftsteller. Und tot. Also zumindest angeblich. In Wahrheit hat der Geheimdienst seinen Tod nur vorgetäuscht, um den Schriftsteller (Edgar Brodie ist sein Name, wenngleich er den mit seinem inszenierten Ableben für immer verliert) auf eine geheime Mission in die Schweiz zu schicken, unter dem Tarnnamen "Ashenden". Und ja, "Secret Agent" steht nicht ganz zufällig in Anführungszeichen auf der Titelkarte des Films. Noch verwirrender: Der nächste Film von Hitchcock heißt Sabotag
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Hitchcock #018: The 39 Steps (1935), oder: Fesselspiele

Der Schurke dieses Films ist an dem fehlenden kleinen Finger zu erkennen. Im Roman The Catcher in the Rye  (1951) von J. D. Salinger kann Phoebe, die kleine Schwester von Protagonist Holden Caulfield,  Hitchcocks The 39 Steps mitsprechen und ist jedes Mal voller Vorfreude, wenn der Schurke sich durch das fehlende Glied an seinem kleinen Finger zu erkennen gibt. Ich gestehe, dass ich wie Phoebe bin: Ich schaue diesen Film ebenfalls immer wieder mit großer Freude alle 2-3 Jahre an und kann weite Strecken davon mitsprechen.  Der Film basiert auf dem gleichnamigen Roman von John Buchan (1875-1940). Der Held des Romans, Richard Hannay, ist auch die Hauptfigur in vier weiteren Buchan-Romanen. Ursprünglich wollte Hitch den zweiten Hannay-Roman, Greenmantle , verfilmen (Truffaut 84). In diesem reist Hannay im Ersten Weltkrieg durch Europa, trifft sogar auf Kaiser Wilhelm II. Aber das war dann doch zu teuer für den Film und so entschied man sich, The 39 Steps zu drehen.  Die Roman-Reihe

Hitchcock #017: The Man Who Knew Too Much (1934), oder: Hitch findet sein Metier

Kein Thriller ohne Schurken: Der großartige Peter Lorre in Hitchocks  The Man Who Knew Too Much Der Filmproduzent Michael Balcon soll über Hitchcock gesagt haben, dass er zwar schon früh seine  eigene Film- und Bildsprache, aber erst spät sein Metier gefunden habe ("he had not then found his particular métier," zitiert in Spoto n.pag.). Darin ist natürlich eine Prise Eigenwerbung, da Balcon die Person ist, zu der Hitchcock nach seinen fünf eher durchschnittlichen Jahren bei BIP zurückkehrte, um die Filme zu machen, die wir heute wie selbstverständlich als Hitchcocks Metier identifizieren: Thriller.  Daher ist es angebracht, an dieser Stelle über den Thriller zu sprechen , bevor es um den ersten Hitchcock-Film geht, der diese Genre-Bezeichnung wirklich verdient: The Man Who Knew Too Much von 1934. Im umfangreichen Handbuch Filmgenre (Hrsg. Marcus Stiglegger ), nähert sich Wieland Schwanebeck einer Definition des vielgesichtigen Thriller-Genres über dessen Nähe zur (liter