Direkt zum Hauptbereich

Posts

Posts mit dem Label "Erwürgen" werden angezeigt.

Hitchcock #029: Shadow of a Doubt (1943), oder: Double, double, toil and trouble

Schatten: Sie werden in Hitchcocks Im Schatten des Zweifels ganz wörtlich genommen (vielleicht sogar etwas zu wörtlich) Ich möchte diesen Artikel mit einer Anekdote beginnen. Nicht aus Unvermögen oder Verweigerung, etwas Substanzielles über den Film zu schreiben (so wie Hitchcock oft ins Anekdotische auswich, wenn er nicht über Themen reden konnte oder wollte; wie ich bereits hier ausführlich schrieb). Nein, ich glaube, in diesem Fall ist das Anekdotische aufschlussreich .  Als ich in den frühen 90ern Hitchcock entdeckte und dann mit den damaligen, begrenzten Möglichkeiten versuchte, ihn mir systematisch zu erschließen, passierte es, dass ich davon las, dass Hitchcock dieser Film, Shadow of a Doubt (dt. Im Schatten des Zweifels ), aus seiner Filmografie der liebste sei. Entsprechend neugierig war ich auf ihn; entsprechend verärgert, dass weder die örtliche Bibliothek, noch die Videotheken meiner Stadt den Film im Programm führten. Irgendwann, ich war inzwischen schon recht vertr...

Hitchcock #022: The Lady Vanishes (1938), oder: Züge, Zocker, Zauberflöten

Iris zieht die Notbremse, als ihr das Gaslighting zu viel wird Der perfekte Film . The Lady Vanishes ist in vieler Hinsicht ein formal perfekter Film . Insbesondere sein Tempo (sein pacing , wie man sagt) wird von der Kritik stets als besonders gelungen hervorgehoben (exemplarisch hierfür: Adair 60 ; Callahan 86 ; Fuller 38 ). Zahlreiche Kritiker*innen bezeichnen diesen Film als einen ihrer absoluten Lieblingsfilme (etwa Philip French im Guardian ) und Meta-Kritiken wie Rotten Tomatoes geben ihm beachtliche 98/100 Punkte. Auch in den heutigen Publikumswertungen erhält er Bestnoten.  Dabei ist er nicht experimentell, sondern in seiner Struktur sehr klassisch .  The Lady Vanishes besteht aus einer herkömmlichen Drei-Akt-Struktur: Exposition im Gasthof, Hauptteil im Zug, Finale mit Schießerei zwischen Zug-Fahrenden und Gangstern. Im ersten Teil wird die Dame aus dem Filmtitel eingeführt, im zweiten verschwindet sie und im dritten (Spoiler!) taucht sie wieder auf. Eigentlich g...

Hitchcock #021: Young and Innocent (1937), oder: Kranfahrt ins Auge

In Young and Innocent lacht der Schurke am Ende ein echtes, theatralisches Schurkenlachen, nachdem Erica (rechts) ihn gerade von der schwarzen Theaterschminke seiner Minstrel-Show befreit hat Ich schrieb ja schon eingangs , dass dieser Blog aus der Idee eines Hochschulseminars entstanden ist, dass ich im Sommersemester 2022 unterrichtet habe (und das ich ähnlicher Form bereits 2016 unterrichtet hatte). Für einen Seminarplan muss man eine Auswahl treffen. Und die fällt schwer, wenn man möglichst viele Filme zeigen möchte, man aber nur 15 Wochen hat (und zudem das Seminar noch ein oder zwei theorielastige Sitzungen hat sowie das Erbe Hitchcocks in den Blick nehmen möchte). Warum also bei dieser eingegrenzten Auswahl ausgerechnet einen Film wie Young and Innocent aufnehmen? Die idiosynkratische Antwort: Weil ich ihn sehr mag. Die akademischere Antwort: Weil es ein zweifellos ordentlicher Film ist, der aber, anders als The 39 Steps oder The Lady Vanishes , ganz klar kein Meisterwerk ist...