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Hitchcock: Rewatch 2022

Alle Hitchcock-Filme in chronologischer Reihenfolge anschauen . Ich habe fast alle schon einmal gesehen, die meisten davon in den 1990er Jahren, als Teenager. Mein Weg dahin unausweichlich über  Die Drei ??? , wobei ich schnell feststellen musste, dass meine Lieblingshörspielserie nichts mit den Filmen von Hitchcock zu tun hatte. Die Filme gefielen mir trotzdem. Nachdem ich mit ca. 12 Jahren zum ersten Mal  Psycho   gesehen hatte, wollte ich nicht mehr duschen gehen, meine Eltern waren nicht erfreut.  Ach ja, und natürlich sah ich damals alle Filme auf Deutsch, weil es das Zeitalter von Fernsehen und VHS-Kassetten war und Videotheken damals nur  synchronisierte Filme  anboten (wenn sie die gesuchten Filme überhaupt im Sortiment hatten). Im Irland-Urlaub  1998 dann die ersten VHS-Tapes auf Englisch von einigen Hitchcock-Filmen aus Videotheks-Sales nach Deutschland importiert und zum ersten Mal in meinem Leben Grace Kellys Stimme gehört (und mich schockv...

Hitchcock #030: Lifeboat (1944), oder: Hitchcocks Floß der Medusa

Man ist sicher nicht überrascht, dass Hitchcock es schafft, zu schockieren : Ein Messer unter der Dusche, bedrohliche Vogelschwärme, eine Verschwörung im Zug... all das identifizieren wir als "typisch Hitchcock", all das schockiert auf seine je eigene Weise. Aber Hitchcocks Lifeboat  ist brutal und schockiert aus anderen Gründen als Psycho , The Birds oder The Lady Vanishes . Er befriedigt nämlich solche Kritiker*innen, die Hitchcock immer verächtlich die "Wahrscheinlichkeitskrämer" genannt hat – also die Leute, die seinen Filmen vorhalten, total unwahrscheinliche Geschichten zu erzählen (zum Leben erwachte Mütter töten unter der Dusche, Vogelschwärme attackieren ein harmloses Dorf, eine internationale Verschwörung entführt eine alte Dame). Lifeboat ist von Hitchcocks bisherigen Filmen fraglos der "realistischste" , wenn man das so sagen kann. Und das macht seine Brutalität umso spürbarer. Die erste Leiche, die wir sehen, ist ein deutscher Offizier. ...

Hitchcock #015: Number Seventeen (1931), oder: Was zum ...

Auch das Publikum möchte bei Number Seventeen am liebsten schreien... François Truffaut sagte über Hitchcocks Number Seventeen : "Er ist amüsant, aber die Handlung ist recht konfus " ( Truffaut 71). Damit stellt Truffaut einmal mehr seinen filmkritischen Scharfblick unter Beweis. Hitchcock, als Kritiker seiner eigenen Filme nicht immer ganz so sehr auf den Punkt wie sein französischer Gesprächspartner, nennt den Film schlicht "Eine Katastrophe" (ibid.) und wechselt sofort ins Anekdotische. Das Anekdotische bei Hitchcock ist ein eigenes Thema, über das ich später gesondert schreiben werde. Es bringt stets seinen Unwillen zum Ausdruck, über das eigentlich Filmische zu sprechen. Das Anekdotische bei Hitchcock ist immer eine Ersatz- oder Übersprungshandlung . Die Reflexhaftigkeit dieses Ausweichmanövers lässt sich entweder als einstudiert verstehen (womit die Anekdote Teil der Kunstfigur "Alfred Hitchcock" wird) oder als authentischer Ausdruck eines Unwillen...